Eine Grammophonlesung mit Literatur, Musik und Zeitgeschichte: "Bubikopf & Bleistift" von Jo van Nelsen widmet sich den Stimmen von Autorinnen und Interpretinnen der Weimarer Republik. Das Museum St. Wendel lädt am Dienstag, 22. September, um 19 Uhr zu diesem Abend ein. Der Frankfurter Kabarettist verbindet literarische Texte mit historischen Bilddokumenten und originalen Schellackaufnahmen und zeichnet so ein Porträt einer bewegten Epoche.
Im Mittelpunkt des Abends stehen die Frauen der Weimarer Republik, deren Texte das Lebensgefühl ihrer Zeit widerspiegeln. Mit der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 und den gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg eröffneten sich vielen Frauen neue Möglichkeiten. Zahlreiche von ihnen blieben in den Berufen, in denen sie während des Krieges die Männer vertreten hatten - als Schaffnerinnen, Kontorleiterinnen oder Stenotypistinnen. Gleichzeitig bot das aufblühende demokratische Zeitungswesen schreibenden Frauen erstmals eine breite öffentliche Plattform. Autorinnen wie Lili Grün, Hermynia zu Mühlen, Maria Leitner und viele andere berichteten aus Gerichtssälen und Hinterhöfen, vom Tennisplatz und dem Five O'Clock Tea und machten Tucholsky & Co. ernsthafte Konkurrenz.
Jo van Nelsen präsentiert eine Auswahl oft unbekannter Texte: mal schillernd und jeder neuen Mode hinterherjagend, mal melancholisch und verzweifelt gegen den Strom der Großstadt ankämpfend. Zugleich wird deutlich, wie die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 viele Karrieren beendete und Werke als "Asphaltliteratur" diffamierte.
Zwischen den Lesungen erklingen auf seinem roten Koffergrammophon originale Aufnahmen bedeutender Interpretinnen wie Claire Waldoff, Marlene Dietrich und Hilde Hildebrandt. Ihre Stimmen prägten das Lebensgefühl der Weimarer Republik und verliehen dem neuen, emanzipierten Frauenbild der Zeit Ausdruck.
Kosten: 15 €/ 10 €, Vorverkauf im Museum


